Am Tag meiner Hochzeit stolperte ich in die Arme des gefürchteten Mafiabosses, doch als seine Familie lachte, erlosch sein Blick

Am Tag meiner Hochzeit stolperte ich in die Arme des gefürchteten Mafiabosses, und als seine Familie lachte, erlosch sein Blick.

Es geschah um siebzehn Uhr dreiundzwanzig in der Marmoreingangshalle des Duca-Anwesens. Meine Ferse blieb an einem Teppich hängen, der vermutlich mehr kostete als mein ganzes Elternhaus. Der Koffer rollte davon, ich ruderte mit den Armen und packte das nächstbeste, was ich erreichen konnte.

Seine Krawatte.

Ich riss Lorenzo Duca so heftig nach vorn, dass seine Schulter gegen meine prallte. Meine Hand lag auf seinem weißen Hemd, meine andere Faust hielt noch immer die schwarze Seide fest. Hinter uns verstummten die Stimmen.

— Bitte sagen Sie mir, dass Sie immer so begrüßen, sagte eine blonde Frau am Treppenfuß.

Ein Wachmann verschluckte sich hörbar. Ich ließ die Krawatte los.

— Entschuldigung, sagte ich. Ich wollte Sie nicht strangulieren.

Lorenzo sah auf den losen Knoten hinab und dann in mein Gesicht. Er war achtunddreißig, groß, breit und so kräftig, dass selbst der riesige Saal um ihn herum kleiner wirkte. Sein dunkles Haar war zurückgekämmt, sein Bart sorgfältig geschnitten. Nur seine Augen passten nicht zu seinem makellosen Anzug. Sie waren müde.

Ich machte einen Schritt zurück, rutschte erneut aus und wäre auf den Rücken gefallen, wenn sein Arm mich nicht um die Taille gepackt hätte. Für einen kurzen Moment lag mein Gesicht an seiner Brust. Ich roch Zedernholz, kalte Luft und etwas Vertrautes, das mich an die alte Jacke meines Vaters erinnerte.

— Drei Stürze, dann schicken Sie mich zurück? fragte ich.

Hinter ihm stieß ein Mann namens Marco ein ersticktes Geräusch aus.

— Ich habe nichts gehört, sagte er hastig.

Lorenzo ließ mich los.

— Sie sind nervös.

— Ein wenig. In meinem letzten Zuhause gab es keine bewaffneten Männer neben Kronleuchtern.

Die blonde Frau lachte. Ihre Finger spielten mit einem Ring, in dem ein grüner Stein glitzerte.

— Das ist also die siebte, flüsterte sie ihrer Begleiterin zu. Wenigstens passt sie farblich zum Teppich.

Mein Gesicht brannte, doch ich hob das Kinn. Ich kannte solche Blicke. In Cafés, Umkleidekabinen und auf Familienfeiern hatten Menschen meinen Körper betrachtet, als wäre er eine öffentliche Angelegenheit. Aber hier schauten sie nicht nur mich an. Sie musterten auch Lorenzo.

Denn hinter den sechs geplatzten Verlobungen kursierte ein Gerücht, das niemand ihm direkt ins Gesicht sagte. Die Frauen hatten seine Ringe angenommen, drei Monate gelächelt und ihn dann verlassen. Immer mit derselben Begründung: Er sei zu groß, zu schwer, zu ungewöhnlich. Nicht vorzeigbar genug.

In einem dunklen Flur entdeckte ich eine kleine Schublade aus rotem Samt. Darin lagen sechs Diamantringe, jeder in einem eigenen Fach. An einem hing noch ein verblichenes Band.

— Sie haben neunzig Tage, sagte Lorenzo hinter mir. Danach können Sie gehen. Ohne Forderungen, ohne Fragen.

— Und was wollen Sie dafür?

— Eine Ehe, die nach außen echt aussieht.

Sein Ton war ruhig, doch seine Hand schloss sich um die lose Krawatte. Da begriff ich, dass er nicht auf meinen Ekel wartete. Er wartete auf mein Mitleid. Beides würde er von mir nicht bekommen.

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Um zweiundzwanzig Uhr fand ich vor meiner Zimmertür einen grauen, versiegelten Umschlag. Kein Name stand darauf. Als ich ihn aufhob, hörte ich Schritte hinter mir.

Die Tür am Ende des Flurs öffnete sich, und Marco legte die Hand auf eine schwarze Akte. Dann sagte er:— Amelia, bevor Sie diese Ehe antreten, müssen Sie erfahren, warum die sechs Frauen wirklich verschwunden sind…

TEIL 2

— Amelia, bevor Sie diese Ehe antreten, müssen Sie erfahren, warum die sechs Frauen wirklich verschwunden sind …

Marco stand um zweiundzwanzig Uhr vierzehn im schwach beleuchteten Flur. Unter seiner schwarzen Jacke zeichnete sich der harte Rand einer Waffe ab. Die schwarze Akte lag auf seiner Hand, während der graue Umschlag in meinen Fingern zitterte.

— Dann reden Sie, sagte ich. Aber wenn Sie mich erschrecken wollen, hätten Sie sich die Krawatte sparen können. Das habe ich heute schon selbst erledigt.

Sein Mund zuckte kaum merklich.

— Die Frauen gingen nicht wegen Lorenzos Aussehen.

— Das behauptet die ganze Familie.

— Die Familie behauptet vieles, wenn sie einen Erben braucht.

Bevor ich nachfragen konnte, erschien Lorenzo am anderen Ende des Flurs. Er trug noch immer sein weißes Hemd, doch der oberste Knopf war geöffnet. Sein Blick fiel auf die Akte.

— Marco, geh.

— Nein, sagte ich. Er bleibt.

Lorenzo blieb stehen. Das Mondlicht schnitt sein Gesicht in harte und weiche Hälften.

— Du weißt nicht, worum es geht.

— Dann erklären Sie es mir.

Er kam näher. Bei jedem Schritt knarrte das alte Holz unter dem Teppich.

— Sechs Frauen haben mich verlassen, weil sie glaubten, durch mich Zugang zu meinem Vermögen zu bekommen. Als sie merkten, dass ich ihnen nicht vertraute, verschwanden sie.

— Verschwanden? fragte ich. Oder wurden sie fortgeschickt?

In seinen Augen zuckte etwas auf.

— Eine von ihnen lebt in Zürich. Eine andere hat geheiratet. Die übrigen wollten nie wieder mit mir sprechen.

Marco legte die Akte auf eine schmale Konsole. Darauf stand eine silberne Uhr, deren Glas gesprungen war.

— Jede Frau erhielt vor ihrer Abreise dieselbe Nachricht, sagte er. Jemand drohte ihr mit einem Unfall, wenn sie im Haus bliebe.

Mein Magen zog sich zusammen.

— Und Sie haben nichts unternommen?

— Ich habe ermittelt, sagte Lorenzo. Jedes Mal führte die Spur ins Haus zurück.

— Zu wem?

Er antwortete nicht.

Am nächsten Morgen um acht Uhr saß ich im Frühstückszimmer vor einem Teller unberührter Erdbeeren. Die blonde Frau, Bianca, strich Butter auf eine dünne Scheibe Brot und musterte mein Kleid.

— Neunzig Tage sind lang, sagte sie. Die anderen hielten nicht einmal dreißig aus.

— Vielleicht hatten sie bessere Schuhe, erwiderte ich.

Bianca legte das Messer hin.

— Sie glauben wirklich, Lorenzo wolle Sie behalten?

— Ich glaube, dass er mich selbst fragen kann.

— Er behält niemanden. Er kauft Menschen.

Da trat Lorenzo ein. Auf seinem Ärmel klebte ein winziger roter Faden. Er sah zuerst Bianca und dann mich an.

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— Verlassen Sie den Raum.

— Ich wollte nur helfen.

— Das haben Sie lange genug getan.

Bianca wurde blass, nahm ihren Ring ab und legte ihn neben den Teller.

— Eines Tages wirst du verstehen, wem du vertraust.

— Vielleicht heute, sagte ich.

Um dreizehn Uhr führte Lorenzo mich in sein Arbeitszimmer. Hinter einem Gemälde befand sich ein Safe. Er öffnete ihn und holte eine alte Speicherkarte heraus.

— Aufnahmen aus der Nacht, in der meine sechste Verlobte ging.

— Warum zeigen Sie mir das?

— Weil Sie bleiben wollen, obwohl Sie Angst haben.

— Ich habe nicht gesagt, dass ich bleiben will.

— Ihre Hand sagt es.

Er deutete auf meine Finger. Ich hielt noch immer den grauen Umschlag.

Mit einem Messer schnitt ich das Siegel durch. Darin lag nur ein einzelnes Foto: Lorenzo als Kind neben seinem Vater. Auf der Rückseite stand ein Datum und ein Satz in roter Tinte: „Frag ihn, wer damals den Brand gelegt hat.“

Lorenzo nahm das Bild. Seine Hand erstarrte.

— Woher haben Sie das?

Plötzlich gingen im ganzen Haus die Lichter aus. Draußen schlug eine Autotür zu. Dann erklang aus der Dunkelheit eine Stimme, die nur drei Worte sagte: — Die Braut muss sterben …

TEIL 3

— Die Braut muss sterben …

Um dreizehn Uhr siebenundzwanzig sprang die Notbeleuchtung an. Rotes Licht fiel über Lorenzos Gesicht, während draußen Reifen auf Kies knirschten. Ich griff nach der silbernen Uhr auf dem Schreibtisch, nicht weil sie eine Waffe war, sondern weil ich in diesem Moment irgendetwas Festes brauchte.

— Wer ist das? flüsterte ich.

Lorenzo schob sich vor mich.

— Hinter mich.

— Nein. Diesmal nicht.

Marco stürmte herein, eine Hand am Funkgerät.

— Das Tor wurde von innen geöffnet. Drei Wagen. Bianca ist verschwunden.

Lorenzo sah auf das Foto in seiner Hand. Der rote Satz auf der Rückseite war kein Drohspruch. Er war eine Erinnerung an den Brand vor fünfundzwanzig Jahren, bei dem seine Mutter gestorben war.

— Mein Vater legte den Brand nicht, sagte er. Aber jemand wollte, dass ich das glaube.

— Und die sechs Frauen?

— Sie fanden dieselbe Wahrheit. Jede wurde zum Schweigen gebracht.

Marco nahm die Speicherkarte aus dem Safe und steckte sie in den Rechner. Auf dem Bildschirm erschien die Aufnahme der sechsten Verlobten, Elena, im Garten. Bianca stand hinter ihr. In ihrer Hand glitzerte der grüne Ring.

— Du unterschreibst heute, sagte Bianca auf der Aufnahme. Sonst erfährt Lorenzo, dass du die Bücher gefälscht hast.

Elena weinte.

— Du hast die anderen auch erpresst.

— Ich habe nur getan, was nötig war. Lorenzo muss die Firma an mich und meinen Bruder überschreiben.

Das Bild wechselte. Bianca sprach mit Lorenzos Vater, Vittorio, in einem Keller. Neben ihnen stand eine Benzinkanister. Vittorio übergab ihr einen grauen Umschlag.

Mir wurde kalt.

— Dein Vater lebt nicht mehr, sagte ich. Aber Bianca hat weitergemacht.

— Sie hat mich sechs Jahre lang glauben lassen, ich sei der Grund, warum alle gingen, sagte Lorenzo. Sie erzählte mir, die Frauen ekelten sich vor mir. Und ich habe ihr geglaubt.

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Die Tür flog auf. Bianca stand dort, ein Messer in der Hand. Ihr grüner Ring funkelte im roten Licht.

— Du hättest das Bild nicht öffnen dürfen, Amelia.

— Du hättest keine Frauen zerstören dürfen, erwiderte ich.

— Sie kamen wegen seines Geldes.

— Und du kamst wegen seines Namens.

Bianca sprang vor. Marco packte ihr Handgelenk, doch sie riss sich los und stieß mich gegen den Schreibtisch. Die silberne Uhr fiel zu Boden. Das Glas zerbrach.

Lorenzo brüllte meinen Namen. Ich sah das Messer auf mich zukommen, duckte mich und zog an der losen Krawatte, die noch immer um seinen Hals hing. Lorenzo verlor das Gleichgewicht, prallte gegen Bianca, und Marco überwältigte sie. Sekunden später klickten draußen Handschellen.

Um sechzehn Uhr kamen die Ermittler. Bianca wurde wegen Erpressung, Brandstiftung und versuchten Mordes abgeführt. In ihrem Büro fanden sie die Briefe an die sechs Frauen, die Konten ihres Bruders und die Originalaufnahmen aus der Brandnacht. Vittorio hatte den Brand gelegt, um Versicherungsbetrug zu vertuschen. Bianca hatte alles bewahrt, um Lorenzo später zu kontrollieren.

— Warum haben Sie mich ausgewählt? fragte ich Lorenzo am Abend im Garten.

Er hielt den zerbrochenen Uhrdeckel in der Hand.

— Weil Sie im Vertrag nicht nach Geld gefragt haben.

— Und weil ich in Ihre Arme gefallen bin?

Zum ersten Mal lachte er wirklich.

— Nein. Weil Sie danach geblieben sind.

Neunzig Tage später unterschrieben wir keinen neuen Vertrag. Wir verbrannten den alten im Kamin. Lorenzo schob die sechs Ringe zurück in die rote Samtschublade und legte meinen schlichten silbernen Ring daneben.

— Du musst nicht bleiben, sagte er.

Ich nahm seine Hand. Seine Finger waren warm, seine Handfläche rau.

— Ich weiß.

Dann küsste ich ihn, ohne zu stolpern. Fast.

Und als er mich auffing, fühlte es sich zum ersten Mal nicht wie ein Fallen an, sondern wie Heimkommen.

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