TEIL 4 — Mein Mann stieß unseren Wagen in den Fluss und lächelte noch, als am Ufer jemand auf ihn wartete – dann erstarrte er

TEIL 4

„Rosalind, jemand hat gerade den Tresor der Werft geöffnet.“

Tobias sagte den Satz so leise, als könnte die Wahrheit davon noch gefährlicher werden.

Ich stand in der kleinen Fischfabrik, barfuß auf kaltem Beton, während die Ärztin Blut in beschriftete Röhrchen füllte. Garrett saß zwischen zwei Ermittlern. Penelope hielt sich an der Tischkante fest.

„Wer hat den Tresor geöffnet?“, fragte ich.

Tobias sah auf sein Telefon. „Der Zugang wurde mit dem alten Schlüssel deines Vaters aktiviert.“

Garrett lachte plötzlich.

Es war kein erleichtertes Lachen. Es klang wie ein Riss.

„Ihr seid zu spät“, sagte er.

„Wofür?“, fragte ich.

Er antwortete nicht.

Einer der Ermittler nahm ihm das Telefon ab. Sofort klingelte es erneut. Diesmal war es Garretts Rechtsanwalt, der offenbar vom Wagen aus anrief.

„Herr Vane“, sagte der Ermittler, „Ihr Anwalt hat gerade erklärt, dass er Sie nicht mehr vertritt.“

Garrett starrte auf den Boden.

„Er wird seine Aussage ändern“, sagte er.

„Er hat Ihre Anweisung zur Manipulation des Wagens auf einer gesicherten Leitung bestätigt“, erwiderte der Ermittler. „Und er hat die Namen von drei weiteren Beteiligten genannt.“

Garrett sprang auf, doch der Ermittler drückte ihn zurück.

„Setzen Sie sich.“

Penelope wandte sich an mich. Ihr Gesicht war tränenverschmiert.

„Ich wusste nicht, dass er dich vergiften wollte.“

„Du wusstest, dass er mich nicht liebt.“

Sie senkte den Kopf.

„Ich wusste, dass er die Werft wollte.“

„Und du hast ihm geholfen?“

„Ich dachte, danach wären wir frei.“

Ich sah auf ihren Bauch. In diesem Moment war sie nicht meine Rivalin. Sie war eine weitere Person, die Garretts Versprechen geglaubt hatte.

Dann legte Tobias das Aufnahmegerät auf den Tisch.

„Rosalind“, sagte er, „du musst das hören.“

Er spulte zurück und drückte auf Wiedergabe.

Zuerst hörte ich Malcolm Vane. Dann eine zweite Stimme, eine Frau. Meine Mutter.

„Wenn du das tust, bringst du nicht nur mich in Gefahr. Du bringst auch das Kind in Gefahr.“

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Mein Herz setzte aus.

„Welches Kind?“, fragte ich.

Tobias schloss die Augen. „Dich.“

Die Welt wurde still.

Mein Vater hatte die Aufnahme wenige Tage vor dem angeblichen Unfall gemacht. Malcolm Vane hatte meine Mutter mit falschen Medikamenten behandelt, um sie unter Druck zu setzen. Sie war schwanger gewesen. Nach dem Unfall hatte Malcolm dafür gesorgt, dass mein Geburtsregister verändert wurde. Ich war nicht tot geboren worden. Ich war in einer anderen Klinik zur Welt gekommen und anschließend von meiner Tante als ihr eigenes Kind ausgegeben worden, damit die Vane-Familie mich nicht finden konnte.

„Warum hast du mir das nie gesagt?“, fragte ich Tobias.

„Weil ich zuerst Garrett entlarven musste. Wenn er wusste, dass du die direkte Erbin bist, hätte er dich früher getötet.“

„Du hast mich also mein ganzes Leben lang belogen.“

„Ja.“

Seine Ehrlichkeit tat fast mehr weh als die Lüge.

Die Ermittler brachten Garrett und Penelope noch vor Sonnenaufgang getrennt weg. Niemand jubelte. Niemand schlug ihnen nach. Ich sah nur zu, wie Garrett durch die Tür verschwand und zum ersten Mal nicht kontrollieren konnte, wer ihm folgte.

Doch der Tresor war noch offen.

Wir fuhren mit den Ermittlern zur Werft. Es war kurz nach fünf Uhr morgens. Nebel lag über den Kränen, und das Wasser tropfte von den Stahlseilen. Die Tresortür stand einen Spalt offen.

Darin fanden wir keine gestohlenen Verträge.

Wir fanden einen Umschlag mit meinem Namen.

Auf der Rückseite stand die Handschrift meines Vaters.

Tobias nahm ihn nicht an sich. Er sah mich an.

„Du musst ihn öffnen.“

Ich streckte die Hand aus. Meine Finger berührten das Papier, als draußen plötzlich ein Motor aufheulte. Ein dunkler Wagen raste über das Werftgelände direkt auf uns zu…

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