TEIL 4 — Ich durfte das Kinderzimmer nicht betreten, doch als ich die Tür öffnete, veränderte sich im Gesicht des mächtigsten Mannes alles

TEIL 4

„Er arbeitet seit drei Wochen für die Moretti-Leute…“

Lorenzo beendete das Gespräch nicht. Er hielt das Telefon ans Ohr und hörte die nächsten Worte, ohne zu blinzeln.

Dann sagte er: „Schicken Sie mir den Standort. Und rufen Sie gleichzeitig die Polizei.“

Ich sah ihn überrascht an.

„Sie rufen die Polizei?“, fragte ich.

„Heute Nacht brauche ich Männer, die sich an Regeln halten.“

Doktor Gallagher wich zur Wand zurück. Leo schlief inzwischen in meinen Armen. Seine Wangen waren noch blass, aber seine Finger bewegten sich ruhig an meinem Ärmel.

„Ich habe nichts getan“, sagte Gallagher.

Lorenzo wandte sich ihm zu. „Sie haben meinen Sohn vergiftet.“

„Nein.“

„Dann werden die Laborberichte Sie entlasten.“

Der Arzt öffnete den Mund, brachte aber kein Wort heraus.

Drei Stunden später kamen die ersten Ergebnisse aus dem privaten Labor. Die künstliche Nahrung enthielt eine Substanz, die bei einem Frühgeborenen schwere Darmkrämpfe und eine lebensgefährliche Entzündung auslösen konnte. Sie war in keiner der Originalpackungen enthalten.

Jemand hatte die Flaschen nachträglich geöffnet.

Die goldenen Kappen waren mit einem kaum sichtbaren Werkzeug gelöst und wieder verschlossen worden. In zwei Flaschen fanden die Techniker dieselbe Substanz. In einer dritten waren Fingerabdrücke, die nicht zu Lorenzo, mir oder den Wachleuten gehörten.

Gallagher versuchte, seinen Anwalt anzurufen.

Der Anwalt kam um sechs Uhr morgens, noch im Mantel, mit einer Ledertasche und einem Gesicht, das aussah, als hätte er die Wahrheit bereits gehört.

„Harrison“, sagte er, „ich vertrete dich nicht in einer Sache, in der ein Säugling absichtlich geschädigt wurde.“

„Du hast mich jahrelang vertreten!“

„Nicht gegen Beweise dieser Art.“

„Lorenzo zwingt dich dazu.“

„Nein“, sagte der Anwalt. „Du hast dich selbst hierher gebracht.“

Gallagher schlug gegen den Tisch. „Sie verstehen nicht, was passiert ist!“

„Dann erklär es“, sagte Lorenzo.

Der Arzt starrte auf seine Hände.

Schließlich sagte er: „Die Morettis haben mich bezahlt.“

AUCH LESEN:  Meine Schwiegermutter gab meiner Tochter zu Weihnachten eine billige Kerze, doch als Holly die rote Schachtel hob, verschwand ihr Lächeln

Niemand bewegte sich.

„Sie wollten Leo nicht sofort töten“, fuhr Gallagher fort. „Sie wollten ihn schwächen. Lorenzo sollte zusehen, wie sein Sohn stirbt. Es sollte wie eine medizinische Tragödie aussehen.“

„Und Daniel?“, fragte ich.

Gallagher hob den Blick. „Daniel hat die Spenderin gefunden. Er kannte Ihre Adresse. Er wusste von der Schwangerschaft und davon, dass Sie Milch abpumpen würden. Er wollte Ihre Probe verkaufen.“

Mir wurde übel.

„Er hat Lily getötet, um an Geld zu kommen?“

„Er hat Sie die Treppe hinuntergestoßen, weil die Morettis Druck auf ihn ausgeübt haben. Danach hat er behauptet, es sei ein Unfall gewesen.“

Lorenzo trat zu mir. Seine Stimme war leise. „Hunter, ich wusste nichts davon.“

„Das macht Lily nicht wieder lebendig.“

„Nein.“

Zum ersten Mal entschuldigte er sich nicht mit Geld, Macht oder Drohungen. Er stand einfach da und nahm die Antwort an.

Am Nachmittag wurde Daniel in einem Lagerhaus am Hafen festgenommen. Die Polizei hatte ihn über eine Nachricht gefunden, die er an Gallagher geschickt hatte. In der Nachricht stand: Ich will mehr Geld, sonst erzähle ich dem Rossi, wer die Flaschen geöffnet hat.

Später spielte man mir die Aufnahme aus dem Kinderzimmer vor. Daniel war darauf zu sehen, wie er in der Nacht eine Flasche austauschte. Seine Stimme war deutlich.

„Noch zwei Tage“, sagte er. „Dann glaubt jeder, das Kind sei zu schwach geboren worden.“

Ich hörte meine eigene Vergangenheit aus einem Lautsprecher. Daniel hatte diese Worte selbst gesagt. Nun konnte er ihnen nicht mehr entkommen.

Doch während die Polizei Gallagher abführte, klingelte Lorenzos Telefon erneut.

Ein Beamter sprach nur wenige Sekunden mit ihm. Danach sah Lorenzo zum Fenster.

„Was ist?“, fragte ich.

„Die Morettis sind nicht vollständig verschwunden“, sagte er. „Jemand hat die Villa beobachtet. Seit dem Tag, an dem du hier angefangen hast.“

Er legte die Hand auf die Mappe mit Sofias Untersuchung.

AUCH LESEN:  TEIL 4 — Meine Frau ließ unseren neugeborenen Sohn verschwinden, dann legte mein Vater ihr ein Papier vor und ihr Lächeln erlosch

„Und sie wissen jetzt, dass Leo lebt.“

Draußen hielt ein schwarzer Wagen vor dem Tor. Niemand stieg aus.

Dann ging das Licht in Leos Zimmer aus…

Missed the beginning?

← Read the story from part one

Rate article
Add a comment

;-) :| :x :twisted: :smile: :shock: :sad: :roll: :razz: :oops: :o :mrgreen: :lol: :idea: :grin: :evil: :cry: :cool: :arrow: :???: :?: :!: