Ich saß beim Notar, als die Geliebte meines Mannes anrief – und seine Stimme am anderen Ende plötzlich verstummte

Als ich am Donnerstag um halb elf nachts den Wasserhahn reparieren wollte, fand ich im Handy meines Mannes 143 Nachrichten mit Herzen – und eine Frau, die ihn „mein Licht“ nannte.

Ich suchte nur die Nummer des Klempners. Der Hahn in der Küche tropfte seit drei Tagen, und Gleb versprach jedes Mal, sich darum zu kümmern. Sein Telefon lag auf der Armlehne des Sofas. Der Entsperrcode war seit vier Jahren derselbe: Polinas Geburtstag.

Ich gab die sechs Ziffern ein.

Die Kontakte halfen mir nicht weiter. Also öffnete ich das Nachrichtenprogramm und suchte nach dem alten Gespräch mit dem Handwerker. Stattdessen sah ich den Namen Lika. Als Bild hatte sie eine Sonnenblume.

143 Nachrichten.

Ich wusste nicht, warum ich sie zählte. Vielleicht, weil jede einzelne wie ein kleiner Schlag war.

„Ich vermisse dich.“
„Wann sehen wir uns?“
„Am Samstag kann ich.“
„Du bist mein Licht.“

Gleb schlief im Schlafzimmer. Sein Atem pfiff leise beim Ausatmen, genau wie seit vierzehn Jahren. Ich kannte dieses Geräusch besser als meine eigene Stimme.

Dann fand ich das Foto.

Gleb saß in einem Restaurant und trug das dunkelgrüne Hemd, das ich ihm zum vierzigsten Geburtstag gekauft hatte. Er lächelte breit, beinahe jung. So hatte er zu Hause seit Jahren nicht mehr gelächelt.

Ich legte das Telefon zurück. Ganz genau an dieselbe Stelle.

In der Küche tropfte der Hahn weiter. Das Geräusch wurde lauter, obwohl es gleich blieb. Ich hielt mich am Rand der Spüle fest und wartete, bis meine Hände aufhörten zu zittern.

Am Freitagmorgen kochte ich Haferbrei. Polina schob die Löffelspitze durch die Schüssel und betrachtete ihr Tablet.

„Mama, ich habe heute sechs Stunden.“

„Ich weiß.“

„Holst du mich ab?“

„Natürlich.“

Gleb kam in T-Shirt und Unterhose herein, nahm die Kupferkanne vom Herd und schenkte sich Kaffee ein. Sein Ehering war matt geworden. Früher hatte er geglänzt.

„Was ist mit dir?“, fragte er.

„Was soll sein?“

„Du bist so still.“

„Ich war schon immer still.“

Er zuckte mit den Schultern, küsste Polina auf den Kopf und verschwand im Schlafzimmer. Zehn Minuten später fiel die Wohnungstür ins Schloss.

Ich starrte in die Kaffeekanne. Am Boden lag ein dunkler Satz, der wie eine Landkarte aussah. Oder wie ein Fleck, den man nie wieder herausbekam.

In der Mittagspause suchte ich nach Scheidungsrecht, löschte die Seite wieder und suchte nach einem Notar in der Nähe der Akademischen Straße. Ich rief an und bekam einen Termin für Mittwoch.

„Worum geht es?“, fragte die Empfangsdame.

Ich sah auf den tropfenden Hahn.

„Um eine Vollmacht“, sagte ich. „Und um meine Wohnung.“

Am Samstag fuhr Gleb angeblich zu Sergej, um beim Zaun zu helfen. Als er abends zurückkam, roch seine Jacke nach süßen Blumen. Ich sagte nichts. Ich stellte ihm Suppe hin und hörte mir seine Geschichte über den Zaun an.

„Der Hahn tropft immer noch“, sagte er und zeigte mit dem Löffel in Richtung Küche.

„Ich weiß.“

„Du solltest dich darum kümmern.“

Da vibrierte sein Telefon auf dem Tisch. Auf dem Display erschien nur ein Sonnenblumensymbol.

Gleb griff danach, doch ich war schneller. Ich nahm mein eigenes Telefon und schaltete die Aufnahme ein. Dann legte ich es neben die Brotschale.

„Gleb“, sagte ich, „wem gehört eigentlich die Wohnung, wenn einer von uns sie verkaufen will?“

Sein Gesicht veränderte sich. Nur ganz kurz.

„Was ist das für eine Frage?“

„Eine einfache.“

Er stand auf. Dabei stieß sein Knie gegen den Tisch, und die Suppenschale klirrte.

„Du machst aus allem ein Drama.“

AUCH LESEN:  PART 4 — Mein Mann verkündete vor dreihundert Gästen unsere Trennung, doch als ich aufstand, verschwand Sloanes selbstsicheres Lächeln

„Dann beantworte die Frage.“

Er sah zur Tür, als müsste er sich erinnern, ob sie abgeschlossen war. In diesem Moment klingelte mein Telefon. Eine unbekannte Nummer.

Ich nahm nicht ab. Der Anruf endete. Gleich darauf kam eine Nachricht: „Bitte rufen Sie mich zurück. Es geht um Gleb.“

Am Mittwoch saß ich beim Notar, die Hand auf einer dunkelroten Ledermappe, als mein Telefon erneut zu klingeln begann. Diesmal stand keine unbekannte Nummer auf dem Display.

Lika.

Ich drückte auf Annehmen und stellte den Lautsprecher ein. Einen Herzschlag lang war nur ihr Atem zu hören. Dann sagte sie: „Vera? Wir müssen über das sprechen, was Gleb mir versprochen hat.“

Der Notar hob den Blick. Seine Finger legten sich auf die Mappe. Und Lika begann zu weinen…

TEIL 2

„Vera? Bist du noch da?“, fragte Lika.

Ich sah den Notar an. Sein Büro lag im dritten Stock eines alten Hauses, draußen ratterte die Straßenbahn über die nassen Schienen. Auf dem Tisch stand eine kleine Messinguhr, deren Zeiger sich mit jedem Ticken in mein Herz zu bohren schienen.

„Ich bin da“, sagte ich.

„Er hat gesagt, du weißt alles.“

„Was soll ich wissen?“

Am anderen Ende schluchzte sie. Nicht leise. Es klang wie jemand, der lange geübt hatte, traurig zu klingen.

„Dass ihr euch trennt. Dass die Wohnung bald mir gehört. Er sagte, du hättest unterschrieben.“

Meine Finger schlossen sich um den Reißverschluss der Ledermappe. Das Leder war an einer Ecke abgeschabt, genau dort, wo ich es jahrelang in meiner Arbeitstasche getragen hatte.

„Gleb hat dir gesagt, ich hätte unterschrieben?“

„Er hat mir sogar ein Bild geschickt. Eine Vollmacht. Deine Unterschrift war darauf.“

Der Notar beugte sich vor.

„Frau Morosowa“, sagte er ruhig, „fragen Sie sie, wann und wo dieses Dokument unterschrieben wurde.“

Ich wiederholte seine Frage.

„Vor zwei Wochen, in seinem Büro“, antwortete Lika. „Er meinte, du wolltest keinen Streit. Er wollte die Wohnung verkaufen, das Geld anlegen und mit mir ein neues Leben anfangen.“

Mir wurde kalt, obwohl der Heizkörper neben meinem Stuhl glühte.

„Hat er dir die Wohnung verkauft oder versprochen?“

„Versprochen. Ich habe bereits Geld für die Renovierung überwiesen.“

Der Notar nahm einen Stift und schrieb etwas auf einen gelben Zettel.

„Wie viel?“, fragte ich.

„Dreihunderttausend Rubel. Für die Küche und die Anzahlung.“

Dreihunderttausend. Unsere Rücklagen. Das Geld, das ich für Polinas Studium zur Seite gelegt hatte.

„Lika, warum rufst du mich an?“

Sie schwieg so lange, dass ich ihren Atem zählen konnte.

„Weil Gleb seit gestern nicht mehr antwortet. Die Bank hat mich angerufen. Sie sagte, die Überweisung sei angefochten worden. Und heute Morgen stand ein fremder Mann vor meiner Tür.“

„Was wollte er?“

„Er sagte, Gleb schulde ihm Geld. Vera, ich wusste nicht, dass er Kredite aufgenommen hat.“

Der Notar hob die Hand. Ich stellte den Lautsprecher aus.

„Sie hat die entscheidende Spur geliefert“, sagte er. „Aber wir brauchen das Bild der Vollmacht und möglichst eine Bestätigung, dass Sie nie bei ihm unterschrieben haben.“

„Meine Unterschrift kann ich nicht bestätigen. Ich weiß, dass ich sie nicht geleistet habe.“

Ich öffnete die Ledermappe. Darin lagen meine Ausweiskopie, Kontoauszüge, der Grundbuchauszug und die Erklärung, die ich in der Nacht formuliert hatte. Außerdem ein kleiner Speicher, den ich am Morgen bei der Bank bekommen hatte.

Darauf befand sich die Aufnahme von Gleb am Küchentisch.

„Ich habe nur ein bisschen Geld verschoben“, sagte seine Stimme. „Wenn du nicht ständig alles kontrollieren würdest, wäre längst Ruhe.“

AUCH LESEN:  TEIL 4 — Mein Sohn versprach Fremden mein Berghaus und verlangte, dass ich verschwinde – doch an der verschlossenen Tür erstarrte sein Lächeln

„Du hast Polinas Ersparnisse angerührt“, hatte ich geantwortet.

„Sie braucht das Geld erst in Jahren.“

„Und die Wohnung?“

Ein langes Schweigen. Dann Gleb: „Wenn du dich querstellst, unterschreibst du eben später.“

Der Notar hörte sich die Aufnahme an, ohne eine Miene zu verziehen. Danach nahm er seine Brille ab und putzte sie mit einem weißen Tuch.

„Wir werden heute die Vollmacht widerrufen, die Bank informieren und die Unterlagen an die Ermittlungsbehörde geben“, sagte er. „Aber bevor wir das tun, müssen wir wissen, ob bereits ein Verkauf eingetragen wurde.“

„Und wenn ja?“

„Dann wird es komplizierter.“

In diesem Augenblick rief Lika wieder an. Ich nahm ab.

„Ich habe noch etwas“, flüsterte sie. „Gleb hat mich gebeten, heute Abend mit ihm zum Notar zu kommen. Er sagte, du würdest dort endlich verschwinden.“

„Wo ist er jetzt?“

„Im Gebäude gegenüber. Ich sehe ihn durch das Fenster.“

Ich stand auf. Unter meinem Stuhl knarrte das Parkett.

„Lika, bleib in der Leitung. Geh nicht zu ihm.“

„Warum?“

„Weil ich jetzt zu ihm gehe.“

Der Notar schob mir die Mappe zu.

„Nein“, sagte er. „Sie bleiben hier. Wenn er glaubt, Sie seien allein, wird er vielleicht selbst aussprechen, was wir brauchen.“

Dann öffnete sich die Tür des Büros. Gleb trat ein, die Haare feucht vom Regen, das grüne Hemd unter dem Mantel. Hinter ihm stand Lika, bleich und mit einem Umschlag in der Hand.

Gleb sah mich an.

„Vera“, sagte er. „Du bist also doch gekommen.“

Lika legte den Umschlag auf den Tisch. Der Notar zog ihn zu sich und betrachtete das Siegel. Dann sagte er, dass jetzt alle Anwesenden verstehen müssten, was darin stand…

TEIL 3

Der Notar brach das Siegel nicht sofort. Er legte zuerst beide Hände auf den Umschlag und sah Gleb an.

„Wer hat dieses Dokument erstellt?“

Gleb blieb neben der Tür stehen. Regenwasser tropfte von seinem Mantel auf den hellen Teppich.

„Das weiß ich nicht“, sagte er.

Lika drehte sich zu ihm um.

„Du hast es mir gegeben.“

„Ich habe dir gar nichts gegeben.“

„Du hast gesagt, Vera hätte unterschrieben.“

„Lika, beruhige dich.“

„Nenn mich nicht so, als wäre ich verrückt!“

Ihre Stimme zitterte, aber ihre Hand blieb auf dem Umschlag liegen. Der Notar nahm ihn, öffnete ihn mit einem schmalen Briefmesser und zog drei Blätter heraus.

Ich erkannte meine Unterschrift sofort.

Sie stand unter einer Vollmacht, die Gleb erlauben sollte, unsere Wohnung zu verkaufen, den Preis entgegenzunehmen und über das Geld allein zu verfügen. Darunter stand ein Datum, an dem ich nachweislich in der Schule gewesen war, um Polinas Zeugnis abzuholen.

„Das ist nicht meine Unterschrift“, sagte ich.

Gleb lachte trocken.

„Natürlich ist sie das. Du hast nur vergessen, wann du unterschrieben hast.“

Der Notar legte ein zweites Blatt daneben.

„Frau Morosowa hat heute ihre Unterschrift vor mir geleistet. Ich kann Ihnen versichern, dass die vorliegende Vollmacht gefälscht ist.“

Gleb wurde plötzlich sehr still.

Lika presste die Finger an ihre Lippen.

„Du hast mich belogen“, sagte sie.

„Ich wollte dir helfen.“

„Du wolltest mir eine fremde Wohnung verkaufen!“

„Es war unsere Wohnung.“

„Nein“, sagte ich. „Es war unsere Familie.“

Der Notar steckte den Speicher in seinen Rechner. Gleb machte einen Schritt nach vorn.

„Was soll das werden?“

„Eine Sicherung von Beweismitteln“, antwortete der Notar.

Aus den Lautsprechern erklang Glebs Stimme.

„Wenn du dich querstellst, unterschreibst du eben später.“

Im Büro wurde es so still, dass ich das Summen der Heizungsrohre hörte.

Gleb sah mich an. Sein Gesicht war nicht mehr wütend. Es war leer.

AUCH LESEN:  Meine Schwiegereltern nahmen unser Schlafzimmer in Besitz, doch als ich ruhig meinen Koffer schloss, verschwand Erics Lächeln

„Du hast mich aufgenommen?“

„Ich habe mich selbst geschützt.“

„Du zerstörst alles wegen einer Frau, die du nicht einmal kennst“, sagte er.

Lika lachte einmal, kurz und bitter.

„Ich kenne dich jetzt gut genug.“

Der Notar setzte seine Brille wieder auf.

„Ich werde den Widerruf der Vollmacht beglaubigen. Außerdem informiere ich die Bank und die zuständige Behörde über den Verdacht der Urkundenfälschung und der unbefugten Verfügung über gemeinsames Vermögen.“

Gleb griff nach seinem Telefon.

„Das wirst du nicht tun.“

„Ich tue es bereits.“

Sein Telefon klingelte. Er sah auf das Display, nahm aber nicht ab.

„Wer ist das?“, fragte Lika.

Gleb schwieg.

Die Antwort kam durch die Lautsprecher seines Telefons, weil der Anruf automatisch angenommen wurde. Ein Mann sagte: „Herr Morosow, Ihre letzte Rate ist überfällig. Wenn Sie heute nicht zahlen, wird der Antrag auf Zwangsvollstreckung eingereicht.“

Lika trat zurück.

„Du hast Schulden.“

„Das ist vorübergehend.“

„Wie viel?“

Er antwortete nicht.

Ich dachte an die Kontoauszüge in meiner Mappe. An die Abhebungen. An Polinas Sparbuch, dessen Kontostand seit Monaten nicht mehr gestimmt hatte.

„Gleb“, sagte ich, „du hast nicht nur mich betrogen. Du hast versucht, zwei Frauen mit demselben Haus zu kaufen.“

Er wollte etwas sagen, doch in diesem Moment klingelte mein Telefon. Die Schule.

„Frau Morosowa“, sagte die Sekretärin atemlos, „Ihr Mann war vor einer Stunde hier. Er wollte Polina mitnehmen. Er hatte eine unterschriebene Erlaubnis dabei.“

Mein Magen zog sich zusammen.

„Ist meine Tochter sicher?“

„Ja. Aber er hat gesagt, er werde sie heute Abend abholen.“

Ich sah zu Gleb. Zum ersten Mal wirkte er nicht wie ein Mann, der die Kontrolle verlor. Er wirkte wie jemand, der bereits entschieden hatte, sie mit Gewalt zurückzuholen.

Der Notar nahm sein Telefon und wählte eine Nummer.

„Bleiben Sie hier“, sagte er. „Und rufen Sie Ihre Anwältin an.“

Gleb starrte auf die gefälschte Vollmacht. Dann grinste er plötzlich.

„Ihr glaubt wirklich, damit könnt ihr mich stoppen?“

In diesem Augenblick erhielt ich eine Nachricht von einer Nummer, die ich nicht kannte. Ein Foto. Polina vor dem Schultor, aufgenommen aus einem parkenden Wagen.

Darunter stand nur: „Komm allein, Vera. Sonst siehst du sie heute zum letzten Mal…“

FINALTEIL

Dann hörte Gleb seine eigenen Worte aus dem Lautsprecher…

Ich dachte, die Wahrheit würde alles beenden. Aber danach begann der schwierigste Teil erst. Das Ende veränderte, was Freiheit für mich bedeutete.

Gleb bat mich ein letztes Mal um Rettung.
„Ich werde nicht lügen, um dich zu retten.“
Danach wurde es endlich still.

😱 IHRE GEHEIMNISSE ERFAHREN →

👇 Das Ende der Geschichte ist bereits geöffnet.

Rate article
Add a comment

;-) :| :x :twisted: :smile: :shock: :sad: :roll: :razz: :oops: :o :mrgreen: :lol: :idea: :grin: :evil: :cry: :cool: :arrow: :???: :?: :!: