Mein Verlobter brachte mich in das Haus eines gefürchteten Mannes – doch als er mich sah, erlosch sein spöttisches Lächeln

Als Adrian Cole mich vor dem Anwesen der Morettis absetzte, sagte er nicht Lebewohl – er schob mich einfach zwei bewaffneten Männern entgegen.

„Halt dir das Tuch vor die Nase“, hatte er am Abend zuvor gesagt und mir ein kleines Spitzentaschentuch in die Hand gedrückt. „Du wirst es brauchen.“

Jetzt stand ich im Eingangsbereich des prächtigsten Hauses von Chicago, drückte den Stoff gegen mein Gesicht und versuchte, nicht zu würgen. Nicht wegen eines Geruchs. Das wusste ich sofort. Die Luft roch nach poliertem Holz, kaltem Stein und den weißen Lilien in einer silbernen Vase.

Aber Adrian hatte behauptet, Dante Moretti verwese bei lebendigem Leib.

Die schwarzweißen Marmorplatten glänzten unter meinen Schuhen. Über mir hing ein Kronleuchter, dessen Kristalle bei jedem Luftzug leise gegeneinanderschlugen. Hinter mir standen zwei Männer mit schwarzen Mänteln und Händen, die verdächtig nahe an ihren Waffen ruhten.

„Sie können das Tuch wegnehmen“, sagte plötzlich eine tiefe Stimme.

Ich fuhr herum.

Dante Moretti trat aus dem Schatten unter der geschwungenen Treppe. Adrian hatte ihn als sterbenden Mann beschrieben, als geducktes Ungeheuer, dessen Körper bereits aufgegeben hatte.

Der Mann vor mir war groß, breit gebaut und erschreckend ruhig. Sein weißes Hemd stand am Hals offen. Schwarzes Haar lag ordentlich nach hinten gekämmt, und die scharfe Linie seines Kiefers hätte auf das Titelbild einer Zeitschrift gehört, wenn seine Augen nicht so kalt gewesen wären.

Nur seine rechte Hand passte zu den Gerüchten.

Dunkle, unregelmäßige Flecken zogen sich über seine Knöchel und verschwanden unter dem Ärmel. Sie wirkten nicht wie Blutergüsse. Eher wie Tinte, die unter seiner Haut verlief.

Ich senkte das Tuch sofort.

„Es tut mir leid“, sagte ich.

Sein Blick wanderte zu dem Stoff, dann zu meinem dunkelblauen Kleid und schließlich zu dem Verlobungsring an meiner Hand.

„Wer sind Sie?“

„Sophia Bennett.“

Er wartete.

„Adrian Coles Verlobte.“

Etwas in seinem Gesicht verhärtete sich.

„Was tun Sie in meinem Haus?“

„Adrian sagte, Sie würden mich erwarten.“

„Ich erwartete Adrian.“

Meine Finger schlossen sich um das Spitzentuch. An einer Ecke war eine kleine silberne Perle angenäht. Ich rieb mit dem Daumen darüber, bis die scharfe Kante in meine Haut drückte.

„Er sagte, Sie beide hätten eine Vereinbarung getroffen.“

„Das haben wir.“

Dante kam einen Schritt näher.

„Ihr Verlobter schuldet mir zwölf Millionen Dollar.“

Mir wurde heiß und kalt zugleich.

„Er hat von einer Schuld gesprochen. Nicht von zwölf Millionen.“

„Was hat er Ihnen sonst erzählt?“

Ich schluckte.

„Dass Sie sehr krank sind. Dass Sie nicht mehr lange zu leben haben. Dass Sie jemanden bei sich brauchen.“

Sein Blick blieb auf meinem Gesicht liegen.

„Und was genau sollte ich mit Ihnen anfangen?“

Die Frage war so nüchtern, dass sie mich mehr verletzte als jede Beleidigung.

„Adrian sagte, Sie hätten zugestimmt, die Schuld auf diese Weise zu begleichen.“

Dante bewegte sich nicht.

„Auf welche Weise?“

Ich hörte das Ticken einer Uhr irgendwo hinter der Halle.

„Mit mir.“

Die Stille danach war vollkommen.

Dante sah auf den Ring an meiner Hand. Dann wieder in meine Augen.

„Ich habe Adrian Cole um Geld gebeten“, sagte er langsam. „Nicht um seine Verlobte.“

Mein Magen zog sich zusammen.

„Aber er sagte, Sie hätten zugestimmt.“

„Er hat gelogen.“

Die Scham traf mich zuerst. Danach die Wut. Schließlich etwas viel Kälteres: die Erkenntnis, dass Adrian mich wie einen Gegenstand verpackt und ausgeliefert hatte.

„Er konnte nicht zahlen“, flüsterte ich. „Also hat er mich Ihnen gegeben.“

Dantes Zorn richtete sich plötzlich nicht mehr auf mich.

„Sie sind keine Zahlung für die Schulden eines anderen Mannes.“

Noch nie hatte jemand so etwas zu mir gesagt. Adrian hatte meine Kleider ausgesucht, meine Termine verschoben und meine Antworten bei Geschäftsessen verbessert. Er nannte es Fürsorge. Ich hatte es jahrelang geglaubt.

Dante wandte sich an einen seiner Männer.

„Lassen Sie den Wagen vorfahren.“

„Ich soll gehen?“

„Sie gehen dorthin, wohin Sie wollen.“

Das hätte mich erleichtern müssen. Stattdessen öffnete sich unter meinen Füßen ein anderer Abgrund. Wenn ich zurückging, wartete Adrian. Wenn ich blieb, wusste ich nicht, ob ich in ein Gefängnis oder in etwas noch Schlimmeres trat.

Dann erinnerte ich mich an seine Stimme vom Vorabend. Er hatte geglaubt, ich schlafe bereits.

Sobald Moretti weg ist, ist alles erledigt.

Ich hob den Kopf.

„Herr Moretti?“

Er blieb stehen.

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„Adrian glaubt nicht, dass Sie sterben.“

Dantes Mund verzog sich humorlos.

„Das glaubt fast ganz Chicago.“

„Nein.“ Ich presste das Spitzentuch in meiner Hand zusammen. „Er weiß es.“

Seine Augen wurden dunkel.

„Was haben Sie gehört?“

„Ich habe ihn telefonieren hören. Er sagte, ich müsse nicht lange bleiben. Er sagte, sobald Sie weg wären, würde alles vorbei sein.“

Dante erstarrte.

Hinter mir legte einer der Wachmänner die Hand an den Griff seiner Waffe. Im selben Augenblick öffnete sich oben auf der Treppe eine Tür, und ein schmaler Mann mit einer schwarzen Ledermappe trat heraus.

Dante sah nicht zu ihm. Sein Blick blieb auf mir.

„Was genau hat Adrian noch gesagt?“

Der Mann mit der Mappe kam die Stufen hinunter. Eine Hand schob sich bereits unter den Verschluss, als wollte sie die Mappe öffnen…

TEIL 2

…doch bevor der Verschluss aufsprang, hob Dante die Hand.

„Nicht hier“, sagte er.

Der Mann blieb stehen. Sein Gesicht war schmal, sein grauer Bart sorgfältig gestutzt.

„Herr Moretti, wir haben keine Zeit.“

„Dann warten Sie.“

Dante wandte sich wieder mir zu und führte mich in einen Salon, dessen Fenster bis zum Boden reichten. Draußen lag der Garten unter einer dünnen Schneeschicht. Auf dem Tisch brannte eine einzelne Lampe, deren Messingfuß warm glänzte.

„Setzen Sie sich“, sagte Dante.

„Ich glaube nicht, dass ich sitzen kann.“

„Dann bleiben Sie stehen. Aber erzählen Sie mir alles.“

Ich blieb neben dem Kamin stehen. Die Flammen knackten, und der Geruch von Zedernholz erinnerte mich plötzlich an Adrians Arbeitszimmer. Dort hatte ich ihn am Vorabend gehört.

„Er telefonierte mit einem Mann namens Victor Hale“, sagte ich. „Ich kenne ihn nur aus den Nachrichten. Er war früher Ihr Geschäftspartner.“

Dantes Augen verengten sich.

„Weiter.“

„Adrian sagte, Sie würden die Untersuchung nicht überleben. Er sagte, Ihre Krankheit mache Sie schwach und niemand würde Verdacht schöpfen, wenn Ihre Medikamente falsch dosiert wären.“

Der Mann mit der Mappe fluchte leise.

„Er hat es also ausgesprochen“, sagte Dante.

„Was?“

Dante sah ihn an.

„Marco, schließen Sie die Tür.“

Marco tat es. Das Schloss klickte, und plötzlich war ich mit drei Männern in einem Raum, von denen jeder mehr zu wissen schien als ich.

„Ihre Flecken“, sagte ich. „Sind sie überhaupt eine Krankheit?“

Dante zog langsam seinen Ärmel höher.

Die dunklen Stellen bedeckten seine Haut wie unregelmäßige Schatten. An seinem Handgelenk klebte ein schmaler Verband. Eine Ecke hatte sich gelöst, und darunter schimmerte etwas Rotes.

„Sie sind eine Reaktion auf ein Gift“, sagte er.

Mein Atem stockte.

„Jemand vergiftet Sie?“

„Seit sechs Wochen.“

„Und Sie wissen nicht, wer?“

„Ich weiß, wer Zugang zu meinen Medikamenten hatte. Das ist nicht dasselbe.“

Der Raum schien enger zu werden. Ich dachte an Adrians zärtliche Hände, an die Art, wie er mir morgens Kaffee brachte, wenn er etwas von mir wollte.

„Warum haben Sie mich dann hierherbringen lassen?“

„Das habe ich nicht.“

„Aber Ihre Männer—“

„Wurden von Adrian geschickt. Ich ließ sie herein, weil ich wissen wollte, welchen neuen Verrat er versucht.“

Diese Antwort hätte mich erschrecken sollen. Stattdessen fühlte ich zum ersten Mal an diesem Abend etwas, das fast wie Sicherheit war: Dante tat nicht so, als wäre er harmlos.

Er war gefährlich. Aber er verbarg nicht, dass er gefährlich war.

Marco legte die Ledermappe auf den Tisch.

„Wir haben die Aufnahmen aus Coles Büro“, sagte er. „Und die Kontobewegungen.“

Mein Herz schlug schneller.

„Aufnahmen?“

„Eine Kamera war in der Bibliothek installiert“, erklärte Dante. „Adrian wusste nichts davon.“

„Dann können Sie beweisen, dass er—“

„Wir wissen noch nicht, wem wir die Aufnahmen zeigen können.“

In diesem Moment vibrierte mein Telefon in der Manteltasche. Adrians Name erschien auf dem Bildschirm.

Dante nickte zu dem Gerät.

„Gehen Sie ran.“

„Was soll ich sagen?“

„Die Wahrheit.“

Ich nahm ab.

„Adrian?“

Seine Stimme klang weich, beinahe besorgt.

„Sophia, mein Gott, bist du angekommen? Ich habe mir solche Sorgen gemacht.“

Ich sah Dante an. Er stand reglos neben dem Kamin, aber seine Finger hatten sich zur Faust geschlossen.

„Ja“, sagte ich. „Ich bin angekommen.“

„Hat er dich erschreckt? Du musst ruhig bleiben. Moretti ist krank und unberechenbar.“

„Du hast gesagt, er würde mich brauchen.“

„Das tut er auch. Du musst nur freundlich sein, bis—“

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Er brach ab.

„Bis wann, Adrian?“

Eine Pause. Dann ein vorsichtiges Lachen.

„Bis du wieder nach Hause kommst.“

„Du hast gesagt, sobald Dante weg ist, wäre alles vorbei.“

Am anderen Ende wurde es still.

Ich hörte ein leises Klirren, als hätte er ein Glas abgestellt.

„Du hast mich belauscht?“

„Du hast mich verkauft.“

„Sophia, hör mir zu. Du verstehst nicht, worum es geht.“

„Dann erklär es mir.“

„Nicht am Telefon.“

Dante trat näher und deutete auf den Lautsprecher. Ich stellte ihn an.

Adrian hörte seine Stimme plötzlich im ganzen Raum.

„Komm morgen früh zum Anwesen“, sagte ich. „Und bring Victor Hale mit.“

„Das ist keine gute Idee.“

„Für wen?“

Wieder Stille.

Dann veränderte sich seine Stimme. Die Wärme fiel ab wie eine Maske.

„Wenn du nicht sofort nach Hause kommst, wirst du es bereuen.“

Dante griff nach dem Telefon und beendete das Gespräch.

Ich starrte auf den schwarzen Bildschirm.

„Er hat mich noch nie bedroht“, sagte ich.

„Doch“, erwiderte Dante. „Er hat es nur bisher freundlicher formuliert.“

Marco öffnete endlich die Ledermappe. Darin lag eine kleine Speicherkarte, ein Bündel Kontoauszüge und ein gefaltetes Schreiben mit einem roten Siegel.

„Das ist nicht alles“, sagte er. „Heute Morgen kam ein zweiter Bericht aus der Klinik.“

Dante nahm das Schreiben, doch bevor er es öffnen konnte, klingelte das Telefon im Salon.

Nicht meines.

Nicht seines.

Das alte schwarze Wandtelefon neben der Tür.

Marco wurde bleich.

„Diese Leitung kennt niemand.“

Dante hob den Hörer.

Eine verzerrte Stimme sagte nur einen Satz:

„Die Frau ist nicht die, für die Adrian sie hält.“

Dann knackte die Leitung tot.

Dante legte langsam auf und sah mich an.

Zum ersten Mal lag in seinem Blick nicht nur Misstrauen, sondern echte Furcht.

„Wer kennt Ihren vollständigen Namen, Sophia?“

Ich öffnete den Mund.

Da fiel mein Blick auf das rote Siegel des gefalteten Schreibens, und mir wurde klar, dass die Antwort längst in dieser Mappe lag…

TEIL 3

…Dante brach das Siegel mit dem Daumen.

Das Papier raschelte in der Stille des Salons. Ich hörte mein eigenes Blut in den Ohren rauschen. Marco trat näher, während Dante die erste Seite überflog.

Sein Gesicht veränderte sich nicht sofort.

Dann wurde es vollkommen leer.

„Was steht darin?“ fragte ich.

Dante reichte mir das Schreiben.

Oben prangte das Wappen einer privaten Klinik am Stadtrand. Darunter stand mein Name, mein Geburtsdatum und eine Nummer, die ich nicht kannte.

Ich las die ersten Zeilen zweimal.

„Das ist unmöglich.“

„Lesen Sie weiter“, sagte Dante.

Meine Finger zitterten so stark, dass das Papier knisterte.

Der Bericht bestätigte, dass vor drei Jahren eine Gewebeprobe von mir eingelagert worden war. Angeblich im Rahmen einer Routineuntersuchung nach einem Autounfall. Doch ich hatte nie einen solchen Unfall gehabt. Ich war an diesem Tag gesund in meinem Büro gewesen.

Unter dem Bericht stand der Name des behandelnden Arztes: Dr. Elias Bennett.

Mein Vater.

Mein Vater war seit neunzehn Jahren tot.

„Das ist seine Unterschrift“, flüsterte ich.

Dante nahm die Seite zurück.

„Ihr Vater war Arzt?“

„Chirurg. Aber er starb, bevor ich erwachsen war. Meine Mutter sagte, er habe keine geheimen Patienten gehabt.“

Marco legte die Speicherkarte auf den Tisch.

„Wir sollten die Aufnahme ansehen.“

Dante nickte.

Er führte uns in ein kleines Arbeitszimmer. An der Wand stand ein Bildschirm, davor ein niedriger Tisch mit einem Abspielgerät. Marco steckte die Karte ein. Das Bild flackerte.

Adrian erschien in seiner Bibliothek.

Er trug denselben dunklen Anzug wie am Vorabend. Victor Hale stand am Fenster und hielt ein Glas in der Hand. Zwischen ihnen lag eine Mappe.

„Sie wird nichts merken“, sagte Adrian auf der Aufnahme.

Mir wurde übel.

Victor lachte leise.

„Sie merkt seit Jahren nichts. Warum sollte sie ausgerechnet jetzt anfangen?“

Adrian stellte ein Glas auf den Tisch.

„Moretti muss die neue Dosis nehmen. Wenn er heute Nacht zusammenbricht, wird es wie ein weiterer Schub aussehen.“

„Und das Mädchen?“

„Sophia bringt uns näher an ihn. Moretti wird sie entweder fortschicken oder behalten. Beides ist nützlich.“

Meine Knie wurden weich. Ich griff nach der Lehne eines Stuhls.

Auf dem Bildschirm beugte sich Adrian über die Mappe.

„Der Name ihrer Mutter steht in den alten Unterlagen. Wenn Moretti herausfindet, was Sophia wirklich ist, wird er sie niemals gehen lassen.“

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Dante wurde neben mir völlig still.

„Was bin ich?“ fragte ich.

Die Aufnahme lief weiter.

Victor zog ein Foto aus der Mappe. Es zeigte meinen Vater vor einer Klinik, neben einem jüngeren Dante Moretti.

Adrian sagte: „Elias Bennett hat Moretti damals das Leben gerettet. Und er hat Beweise versteckt, die beweisen, wem das Hafengeschäft wirklich gehört. Sophia ist die einzige Erbin des Archivs.“

Ich drehte mich zu Dante.

„Sie kannten meinen Vater?“

„Ja.“

„Warum haben Sie mir das nie gesagt?“

„Ich wusste nicht, dass Sie seine Tochter sind.“

Auf der Aufnahme stellte Victor sein Glas ab.

„Wenn sie die Unterlagen besitzt, müssen wir nur herausfinden, wo sie sind.“

Adrian lächelte.

„Sie besitzt sie nicht bewusst. Ihr Vater hat sie ihr überlassen, ohne dass sie es weiß.“

Meine Hand fuhr zu meinem Verlobungsring.

Dante sah es.

„Der Ring“, sagte er.

Mir wurde schwindlig. Adrian hatte mir den Ring vor zwei Jahren geschenkt. Er hatte immer behauptet, er stamme aus einer kleinen Werkstatt in Boston. Ich drehte ihn um. Innen war ein winziger, kaum sichtbarer Spalt.

Marco holte eine Lupe.

Unter dem Metall verbarg sich eine winzige Vertiefung in Form eines Schlüssels.

„Er hat ihn Ihnen gegeben, damit er ihn wiederbekommt“, sagte Dante.

„Nein“, flüsterte ich. „Er wollte wissen, ob ich ihn noch trage.“

Dante nahm vorsichtig meine Hand.

„Sophia, Ihr Vater hat mir vor seinem Tod gesagt, dass er die Beweise dort verstecken würde, wo niemand sie freiwillig ablegt.“

Ich blickte auf den Ring.

„In meiner Verlobung.“

„In dem Metall darin.“

Marco öffnete eine Schublade und holte ein kleines Werkzeug. Der Ring ließ sich nur mit Gewalt aufbrechen. Als der innere Einsatz herausfiel, kam ein hauchdünner Film zum Vorschein, eingerollt wie ein schwarzes Haar.

Darauf standen Namen, Kontonummern und Lieferungen. Genug, um Victor Hale und mehrere Politiker zu Fall zu bringen. Genug, um zu erklären, warum Adrian zwölf Millionen Dollar schuldete und warum Dante sterben sollte.

Ich weinte nicht.

Ich fühlte mich nur plötzlich frei von einer Lüge, die älter war als meine Verlobung.

Da klingelte Dantes Telefon.

Er nahm ab, hörte zu und wurde blasser.

„Was ist passiert?“ fragte ich.

„Die Klinik hat soeben bestätigt, dass meine Blutwerte manipuliert wurden.“

„Dann bist du gerettet.“

„Vielleicht.“

Er sah mich an.

„Aber Adrian hat vor zehn Minuten einen Notar zu Ihrer Wohnung geschickt. Er behauptet, Sie seien geistig nicht zurechnungsfähig und hätten ihm alle Vollmachten übertragen.“

Auf dem Bildschirm war noch immer Adrians lächelndes Gesicht eingefroren.

Dante schloss die Hand um den Ring.

„Er versucht, Sie für tot zu erklären, bevor er merkt, dass Sie seine ganze Welt in der Hand halten.“

In diesem Augenblick erhielt Marco eine weitere Nachricht. Er las sie und hob den Kopf.

„Herr Moretti, Adrian ist nicht allein in Ihrer Wohnung. Er hat Sophias Mutter gefunden.“

Mein Herz setzte aus.

„Meine Mutter lebt in Milwaukee“, sagte ich.

„Nicht mehr“, erwiderte Marco. „Sie sitzt gerade in Ihrer Küche. Und Adrian hat ihr eine Waffe auf den Tisch gelegt…“

LETZTER TEIL

Adrian hörte plötzlich seine eigene Stimme aus dem Lautsprecher…

Ich dachte, die Wahrheit würde mich befreien. Doch zuerst musste ich sehen, wie viel sie zerstörte.
Das Ende veränderte alles, was ich über Liebe und Angst geglaubt hatte.

Im letzten Gespräch verlor Adrian endlich seine Maske.
„Du wirst ohne mich nichts sein.“
Meine Antwort ließ ihn verstummen.

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